Linoleum Bodenbeläge des „Technikum in Cham“, ca.1920 – (ZG)

Geschrieben von Peter Egloff am in Konservierung, Linoleum, Projekte, Restaurierung, vom Bauhaus zur Moderne

Massnahmenkonzept für die Konservierung/ Restaurierung

Das «Technikum» in Cham gehört zu den imposanten Industriebauwerken in Zug. Der im Neubarock geprägte Reihenbau mit Mansardendach hat eine überdurchschnittliche, zeittypische Architekturqualität. Die neuzeitliche Raumgestaltung mit dazugehörigen Gärten und das langgezogene Reihenhaus mit hohem, durchgestaltetem Mansardendach, erinnert an englische Vorbilder. Es ist ein Zeitzeuge der 1920 Jahre und gilt als ein durchaus modernes Bauwerk.

Die Erbauung des Mehrfamilienhauses erfolgte durch den Architekt Wilhelm Hauser1, im Auftrag von „Anglo-Swiss Condensed Milk Company“ und „Nestlé “.

Mit der Zusammenarbeit der kantonalen Denkmalpflege soll das wertvolle, zeittypische «Technikum», in seiner ursprünglichen Form erhalten bleiben und sanft saniert werden. (Reprotec AG 2013, S.3)

Die bauzeitlichen Linoleumbeläge gehören noch zum originalen Inventar des Technikums. In diesem Beitrag werden Möglichkeiten zu folgenden Themen aufgezeigt: Konservierung und Restaurierung der Linoleumbeläge und die weitere Nutzung in einem Mietobjekt.

1 Hauser Wilhelm (1874-1943), seit 1911 Baumeister in Cham (Zuger Bautenführer 2013, S.320)

Linoleum

Als Linoleum bezeichnet man grundsätzlich einen auf einer Leinöl/Harz Mischung basierenden elastischen Belag, welcher auf einem Gewebe aufgebracht ist.2 Die Erfindung und Herstellung des Materials wird dem britischen Ingenieur Frederick Walton (1834-1928) zugeschrieben. Bereits 1863 erstellte er eine Rezeptur für die Herstellung eines „Fussbodenmaterials“ aus einer Mischung von oxidiertem Leinöl, dem sog. „Linoxyn“, Naturharzen, Pigmenten und Kork bzw. Holzmehl und liess diese Verarbeitung patentieren.3 (Waentig 2004, S. 26) Linoleum war um die Jahrhundertwende das erfolgreichste Produkt für die Innenausstattungen. Die spezifischen Eigenschaften sowie die preiswerte Herstellung ermöglichten das Material einer breiten Gesellschaftsschicht zugänglich zu machen. (Waentig 2004, S. 27) So gelang es dem Linoleum seine Vorläufer wie das sog. „Wachstuch“ oder die auf teuren Kautschuk basierenden „Kamptulikon“ Beläge zu ersetzen. (Ellermann 1999, S. 40/41)

2 Eine ofizielle Normierung des Linoleums als elastischer Bodenbelag trägt aktuell die Bezeichnung: EN 548 für Anforderung und Prüfung. Als   Verbundbelag EN 687. (Möhring und Bruckner 2011, S. 652/653). 3 Patent Nr. 3210. Vgl.: Ellermann 1999, S. 41; Förster et al. 1995, S. 8; Tauss 2007, S. 9

Bestands- und Zustandserfassung / Sofortmassnahmen

Im Vorfeld erfolgten Besprechungen vor Ort, dabei wurden verschiedene Varianten angesprochen und Lösungsansätze formuliert. Am 19.11.2014 wurde vor Ort mit der Sichtung der Bodenbeläge und der Bestandserfassung gestartet.

Mit dieser Bestandserfassung wurde gleich eine Zustandsaufnahme der verschiedenen Schadensbilder erstellt. Aufgrund von aufsteigender Feuchtigkeit über das Mauerwerk wurden Feuchtigkeitsmessungen an den verschiedenen Bauteilstandorten gemacht. Als Sofortmassnahme wurde an der Bauteiloberfläche eine Trockenreinigung durchgeführt. Die nun gereinigte Bauteiloberfläche wurde zum temporären Schutz mit einem atmungsaktiven Schutzflies abgedeckt.

Folgende Schadensbilder kamen zum Vorschein

  • Aufsteigende Feuchtigkeit im Mauerwerk und damit verbundene hohe Werkstofffeuchtigkeit <80%
  • Deformationen: Überlappungen der Stoosfugen infolge der hohen Material- und Werkstofffeuchtigkeit
  • Oberflächenverschmutzungen wie: Farbspritzer, Klebereste, Salzausblühungen, Fleckenbildungen
  • Materialschäden: Löcher, Risse, Brüche, Dellen, Kratzer, Fehlstellen in der Deckmasse, Nägel

Weiterführende Untersuchungen mit Muster- und Probeflächen

Auf der Grundlage der Be- und Zustandsaufnahme, sollen die möglichen Konservierungs- und Restaurierungsmassnahmen aufgeführt werden, welche für die jeweiligen Schadensphänomene der Linoleumbeläge des Technikums in Cham angewendet werden könnten. Es gilt dabei zu berücksichtigen, dass die Linoleumbeläge zum einen in situ bearbeitet werden müssen und zum anderen, dass diese wieder genutzt werden. Dadurch sind die grundlegenden Anforderungen für eine Restaurierung gegeben.

Auswertungen und Interpretationen folgen demnächst…..

Konservierungs – und Restaurierungseingriffe an Linoleummustertafeln am Beispiel des Technikum in Cham, ZG

Vorbereitungsarbeiten Mustertafeln

Am 06.03.2015 wurden vier Mustertafeln hergestellt, die jegliche Zustandsbefunde des Linoleumbelags im Technikum Cham aufzeigen.

Die Mustertafeln wurden hergestellt, um an Probeflächen die geeigneten Konservierungs- und Restaurierungseingriffe zu erarbeiten. Anschliessend werden in der Praxis diese erarbeiteten Erkenntnisse angewendet, damit die zukünftige Nutzung des historischen Linoleumbelags gesichert ist.

Technikum Cham Mustertafeln 03.05.15 – Aussendarstellung

Abbildungen nach Abschluss der ausgeführten Massnahmen 08.01.2016